Was zur Hölle läuft hier?

Der Dokumentarfilm "Was zur Hölle läuft hier?" (im Original ‘¿Qué coño está pasando?’) zeigt in Interviews mit 40 Frauen* die Wichtigkeit des Feminismus in Spanien. Die beiden Regisseurinnen Rosa Márquez und Marta Jaenes entschieden sich dafür, den Film zu drehen, als der Fall der Vergewaltigungsfall "La Manada" (dt. Rudel, Wolfspack)* kurz vor dem richterlichen Urteil stand. In ihrem Film geht es nicht nur um sexualisierte Gewalt, sondern um den gesamten sozialen Kontext des Feminismus und seiner Dringlichkeit in Spanien heute. Die Regisseurinnen bringen Stimmen unterschiedlichster Frauen* zusammen in ihrem Film - aus Wissenschaft, Justiz, Politik, Aktivismus, Kunst, Kultur, Pornografie und dem Niedriglohnsektor. Sie geben einen Überblick über die feministischen Diskurse, die heute in Spanien wichtig sind: u.a. Gender Stereotype in der Erziehung, Gender Marketing, Sexismus in der Werbung, Antifeminismus und Rechtspopulismus, populärer, neoliberaler Feminismus, Mode, Körpernormen, Repräsentation in Medien, Literatur, Bildung, Arbeitsmarkt und Politik, Prostitution, Pornografie und Familienpolitik. Dabei geben sie sich widersprechenden Frauen* eine Stimme, die die unterschiedlichen Positionen innerhalb feministischer Bewegungen und Generationen wiederspiegeln.
 

*Kurze Erklärung zu "La Manada": Bei dem Gruppenvergewaltigungsfall handelt es sich um fünf Männer, die zusammen eine junge Frau in Pamplona (Navarra, Spanien) im Jahr 2016 vergewaltigten. Die fünf Männer, darunter einer von der Guardia Civil (paramilitärische Polizeieinheit Spaniens) und einer vom spanischen Militär, filmten sich gegenseitig bei der Tat und teilten dies untereinander in einem Gruppenchat, der den Titel "La Manada" trug. Schon während des Prozesses fingen feministische Proteste an, da in den Medien die grundlegende Debatte um die Definition von Vergewaltigung in den Mittelpunkt drängte und die Vergewaltiger im ersten Urteil zu einer verminderten Strafe von 8 Jahren für sexuellen Missbrauch verurteilt wurden, da angeblich die Beweise für sexuelle Gewalt nicht stichhaltig waren. Daraufhin brach eine massive Welle des Protests aus. Schlussendlich wurde das Urteil revidiert und alle Männer bekamen eine höhere Strafe von 15 Jahren. 

Bemerkungen

Unter den 40 interviewten Frauen* sind nur wenige BIPOC und LGBTQI Perspektiven vertreten. Die Verwobenheit von Rassismus und Sexismus wird zwar thematisiert, aber leider sind die BIPOC Personen diejenigen, die fast nur zum Thema Rassismus zu Wort kommen. Beim Thema Leihmutterschaft geht es beispielsweise kaum um eine queerfeministische Perspektive, um Be_hinderung geht es gar nicht und das Thema Prostitution wird trotz Versuch einer Debatte der unterschiedlichen Positionen doch eher einseitig dargestellt. Der Film spricht ein breites Spektrum an Themen an, die Perspektiven hätten jedoch diverser, inklusiver und weniger heteronormativ sein müssen.

Trigger Warning: In den deutschen Untertiteln bei Netflix wird als Übersetzung für Sinti*ze und Rom*nja keine politisch korrekte Sprache verwendet.

Hinweis

Der Film dient gut als einführendes Material zu aktuellen feministischen Bewegungen und Debatten im europäischen Kontext.